Latsch in der Kupferzeit

Die Fundgeschichte

2007 entdeckte der archäologisch interessierte Kinderarzt Walter Tscholl an einer Baustelle neben der Staatsstraße in Latsch, Knochen und Keramik. Er kontrollierte in Absprache mit dem Amt für Bodendenkmäler mehrere Tage lang die Baustelle. Bei einem anschließenden Lokalaugenschein und darauffolgenden Grabungen des Amtes für Bodendenkmäler konnte eine Siedlung und ein Gräberfeld entdeckt und untersucht werden. Laut dem Archäologen Hubert Steiner kamen Siedlungsreste sowie Grabbefunde zutage. Die ältesten Funde weisen zweifelsfrei in die Kupferzeit, die jüngsten in die frühe Bronzezeit (ca. 3.500 bis 1.700 v. Chr.). Außerdem wurden Körpergräber aus der Eisenzeit entdeckt.

Die Siedlung am Latscher Sonnenberg aus der Kupferzeit und der frühen Bronzezeit

Die entdeckte Siedlung erstreckte sich vermutlich bergwärts bis zu den aufragenden Felsen. Der Fund einer Herdstelle und von Hüttenlehmresten weisen auf eine feste Siedlungsstelle hin. Ebenso Funde von Tierknochen, Teile von Keramikgefäßen und Silexgegenstände, auch ein Steinbeil wurde geborgen. Besonders die hohe Anzahl an Silexabschlägen spricht dafür, dass man die Gegenstände an Ort und Stelle herstellte. Der Siedlungsort bot den seit der Kupferzeit ansässigen Siedlern ein gewisses Maß an Sicherheit. Der Talboden war eine Aulandschaft. Der Flusslauf der Etsch veränderte sich häufig. Die Siedlung lag etwas abgehoben am Rand des Tales.

Leben am Wasser

Das Schichtenprofil zeigt, dass die Siedlung in unmittelbarer Nähe des Flusses bzw. einer weiten Fluss-Seenlandschaft lag. Der weitläufige Schwemmkegel, auf dem sich heute die Ortschaft Latsch mit den umliegenden Gütern befindet, versperrte mehrfach den Flusslauf der Etsch. Dies führte zu einer länger anhaltenden Rückstauung des Flusses, der sich nach einiger Zeit wiederum einen Abfluss suchte und die Barriere durchbrach. So kam es im Bereich der Siedlung immer wieder zu Überschwemmungen und Einbrüchen durch den nahegelegenen Fluss.

Die Bäuerinnen und Bauern von Latsch in der Kupferzeit

Während der Ausgrabungen der kupferzeitlichen Kulturschichten bei Latsch wurden systhematisch Bodenproben entnommen. Dabei wurden verkohlte Getreidereste entdeckt. Die Getreidekörner sind entsprechend der langen Lagerung im Boden schlecht erhalten, trotzdem lassen sie sich noch bestimmen. Es handelt sich dabei um Gerste (Hordeum vulgare) und um Einkorn (Triticum monococcum), eine ursprünglichen Weizenart. Beide Getreidearten wurden in der Jungsteinzeit im mittleren Alpenraum angebaut und konnten auch beim Eismann „Ötzi“ nachgewiesen werden. Beide, Gerste und Einkorn, wurden in der Kupferzeit in Tirol als Hauptgetreide angebaut. Zahlreiche Tierarten beweisen ebenfalls, dass die Menschen der Kupferzeit auch Vieh züchteten: Belegt sind Ziege (Capra hircus), Schaf (Ovis arie) und Schwein (Sus domesticus) sowie ein besonders großes Exemplar eines Rindes, vielleicht war es ein Stier oder Ochse. Dass auch die Jagd üblich war, belegen Knochen vom Hirsch. Sogar die Reste von einem Hund konnten geborgen werden.

Dolch
Heimatpflegeverein Latsch
Kulturgemeinde Latsch
Autonome Provinz Bozen - Denkmalpflege
Interreg Italia - Österreich
Terra Raetica

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