Beil, Dolch & Pfeil

Dolch, Beil und Pfeil - Symbole der Macht?

Einige Motive stechen bei der Betrachtung der Vorderseite des Menhires von Latsch ins Auge: Dolche und Beile. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man auch einen Bogen. Diese Motive sind typisch für die sogenannten männlichen Menhire der Etschtal-Gruppe. Spannend ist, dass auch Ötzi diese Gegenstände bei sich trug. Sein Beil hatte eine Klinge aus Kupfer, Dolch und Pfeile waren aus Feuerstein. Waren es Symbole der Macht? Der Archäologe Hubert Steiner dazu: „Die dargestellten Gegenstände bilden die ersten Errungenschaften aus dem neuen Werkstoff, dem Kupfer. Dolche, Äxte und die Gewandnadel bilden zweifellos Rangzeichen der Kupferzeit, wie es auch die zeitgleichen Gräberfelder verdeutlichen. Das zeigt uns, dass die Bildsteine hochrangige Persönlichkeiten darstellten. Nicht zufällig entstammen sie einer Epoche, die von großen Umbrüchen gekennzeichnet war: Das Kupfer führte zu einer deutlich strafferen sozialen Gliederung bzw. zur Herausbildung einer Oberschicht. Damit geben die Bildsteine Einblick in die Tracht, aber auch in das soziale Gefüge und nicht zuletzt in ideologisch-religiöse Vorstellungen des Menschen. Vor allem die Tatsache, dass die Bildsteine reale Menschen in ihrer Tracht bzw. mit ihren Rangzeichen wiedergeben, führte zur Überlegung, dass ein enger Bezug zum Ahnenkult und zur Heroisierung einzelner herausragender Toter bestehen könnte.“

Der Dolch

Einige Dolche schmücken den Menhir von Latsch. Möglicherweise bilden diese auch Dolche aus Metall ab/geben diese Abbildungen Dolche aus Metall wieder, denn das neu aufkommende Kupfer galt in der Kupferzeit höchstwahrscheinlich als sehr prestigeträchtig. Ötzi trug einen kleinen Dolch bei sich, der in einer Scheide aus geknüpftem Lindenbast steckte. Sein Dolch hat eine Feuersteinklinge und einen Griff aus Eschenholz. Zum Bearbeiten von Feuersteinschneiden diente der Retuscheur, ein Stift aus Lindenholz, in dem der gehärtete Span eines Hirschgeweihs eingesetzt war. Auch diesen trug er bei sich. Beidseitig und flächig bearbeitete Feuersteindolche gelten als typisch oberitalische Erzeugnisse der Kupferzeit, und sie werden oft als Remedello-Dolche bezeichnet. Ötzis Dolch scheint im Vergleich zu anderen Funden etwas klein und verbraucht, was darauf schließen lässt, dass das Satussymbol Dolch auch einen praktischen Nutzen hatte und vielfach eingesetzt wurde. Eine Feuersteinklinge, die zu einem ähnlichen aber etwas größeren und prunkvolleren Dolch gehörte, ist in Goldrain, in der Gemeinde Latsch, gefunden worden. Auch sie stammt aus der Kupferzeit.

Das Beil

Auch einige Beile bzw. Äxte schmücken den Menhir von Latsch. Sie sind wahrscheinlich Abbildungen von Beilen aus Kupfer. Bei einem handelt es sich möglicherweise um eine Doppelaxt. Ötzi trug ein Beil bei sich. Es handelt sich um ein kleines Randleistenbeil mit nur sehr schwach ausgebildeten Randleisten. Es ist aus fast reinem Kupfer gefertigt, welches laut neuesten Analysen aus südtoskanischem Erz gewonnen wurde. Während kupferne Beilklingen aus der Kupferzeit in großer Anzahl bekannt sind, ist Ötzis Beil das einzige, das geschäftet erhalten ist. Der Beilschaft ist aus Eibenholz, die Klinge mit Birkenteers und Lederriemen am Schaft befestigt. Mit diesem Beil war es möglich, Bäume zu fällen. Aber vielleicht war das wertvolle Beil gar nicht als Werkzeug gedacht, sondern als Waffe. Sicherlich wurden für die täglichen Arbeiten auch während der Kupferzeit noch lange Beile mit Steinklingen verwendet. Dies zeigt auch der Fund aus der kupferzeitlichen Siedlung in Latsch.

Der Bogen

Am Menhir von Latsch findet sich ein geheimnisvolles Motiv: einen Bogenschützen, der auf eine andere Person zielt. Gleich neben dem Fundort von Ötzi lag auch ein 1,80 m langer Bogen. Dieser wurde aus Eibenholz hergestellt, scheint aber noch nicht vollständig verarbeitet gewesen zu sein, außerdem fehlt die Bogensehne. Ötzi trug auch einen Köcher aus Leder bei sich, in dem sich 12 Pfeilschäfte befanden, von denen zwei mit Spitzen aus Feuerstein versehen waren. Die Ausgrabungen in Latsch brachten auch einige Geräte aus Feuerstein zutage, darunter auch Pfeilspitzen. Die Bevölkerung ernährte sich zwar überwiegend von den Produkten der Landwirtschaft, die Jagd spielte aber vermutlich nach wie vor eine Rolle (das sieht man auch bei den Auswertungen des Knochenmatierials späterer Fundorte). Das Pfeil und Bogen auch dazu diente Menschen zu verletzen und zu töten, belegt die Pfeilspitzen im Rücken von Oetzi.

Die typische Ausstattung in der Kupferzeit

Die Gräberfunde aus der Kupferzeit, hier seien vor allem das Gräberfeld von Remedello bei Brescia genannt, zeigen, dass die Ausrüstung des Mannes aus dem Eis mit Bogen, Pfeilen, Beil und Dolch sowie die auf dem Latscher Menhir abgebildeten Motive zur klassischen Ausrüstung eines Mannes der Kupferzeit aus dem nördlichen Oberitalien gehören/darstellen. Der Archäologe Hubert Steiner: „Das zeigt uns, dass Bildsteine hochrangige Persönlichkeiten darstellten. Nicht zufällig entstammen sie einer Epoche, die von großen Umbrüchen gekennzeichnet war: Das Kupfer führte zu einer deutlich strafferen sozialen Gliederung bzw. Herausbildung einer Oberschicht. Damit geben Bildsteine Einblick in die Tracht, aber auch in das soziale Gefüge und nicht zuletzt in ideologische-religiöse Vorstellungen des Menschen. Vor allem die Tatsache, dass die Menhire reale Menschen in ihrer Tracht bzw. mit ihren Rangzeichen wiedergeben, führte zur Überlegung, dass ein enger Bezug zu Ahnenkult und zur Heroisierung einzelner herausragender Toter bestehen könnte.“

Dolch
Heimatpflegeverein Latsch
Kulturgemeinde Latsch
Autonome Provinz Bozen - Denkmalpflege
Interreg Italia - Österreich
Terra Raetica

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